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Dieses Blog ist Cole Porters Musical "Kiss Me, Kate" (1948) gewidmet. Hier sammle ich Rezensionen, Links, Fotos, Videos...

Außerdem versuche ich, möglichst alle aktuellen und kommenden "Kiss Me, Kate"-Produktionen im deutschsprachigen Raum zu erfassen und alles Relevante dazu zu verlinken.

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Freitag, 7. November 2008

"Kiss Me Kate", der Film: die DVD

Über eine gewisse Frau Kompoooooooo *ggg*, der ich nunmehr zu ewigem Dank verpflichtet bin, bin ich jetzt endlich an die DVD der alten "Kiss Me Kate"-Filmversion von 1953 gekommen. Bekanntermaßen ist das Teil im deutschsprachigen Raum nicht erhältlich. Gott sei Dank haben wir einen codefreien DVD-Player und somit kann ich auch amerikanische DVDs schauen.

Ich habe mir schon vor einiger Zeit mal die Kundenrezensionen auf amazon.com durchgelesen, da wurde von vielen die Aufmachung der DVD bekrittelt, u.a. die Hülle, die wirklich sehr fragil ist. Die anderen Kritikpunkte kann ich jetzt nicht so nachvollziehen, ich find zB die Bildqualität sehr in Ordnung, bin da aber vielleicht auch einfach nicht so anspruchsvoll. Auch mit den Extras bin ich sehr zufrieden, obwohl ich nicht verstehe, wozu man eine "Music tracks only"-Version braucht (bei der keine Dialoge sondern nur die Musik zu hören ist). ;-) Die zwei wesentlichsten Extras sind eh auch auf youtube online, ich verlink sie noch einmal:

Offizieller Trailer:



Doku mit Interviews:



Die sonstigen Extras sind eine (entbehrliche) alte Doku über Manhattan und Produktionsnotizen.

Ich hab eh schon mal eine Rezension von dem Film geschrieben. Habe mittlerweile einer Freundin den Film und das Broadway-Revival gezeigt und sie fand letzteres "um Häuserecken besser" als den Film. Hm, ja. Prinzipiell kommt "Kiss Me, Kate" mMn am besten rüber, wenn man es live auf einer Bühne sieht - es braucht diese Theaterluft, damit sich die "Theater im Theater"-Atmosphäre entfalten kann. An sich bleibe ich aber dabei, dass die Filmversion viele Qualitäten hat, in erster Linie drei, die da heißen: Kathryn Grayson, Howard Keel, Ann Miller. Die sind einfach perfekt in ihren Rollen. Sie verbinden Gefühl und Selbstironie genau im richtigen Maß.

Ein Riiiesenpluspunkt des Films im Verhältnis zu ALLEN Versionen, die ich ansonsten bisher gesehen habe, ist der Umstand, dass die beiden Handlungsebenen wirklich durchgehend eindeutig verständlich auseinandergehalten sind. Z.B. in der Szene in Petruchios Haus - da versagt für mich auch das Broadway-Revival, es ist völlig unklar, was da jetzt auf Shakespeare-Ebene rennt und was auf der eigentlichen Handlungsebene. Im Film ist das deutlich besser (und witziger) abgegrenzt. Wie schon mal geschrieben, ist auch das Finale vergleichsweise gut gelöst. Natürlich hatte Sidney da als Filmregisseur auch andere Möglichkeiten als ein/e TheateregisseurIn, mit Perspektivenwechseln, Nahaufnahmen usw.

Was mir persönlich im Film nicht gefällt, ist die Szene, in der Fred Lilli bäuchlings über den Esel schmeißt. Im Originaltext gibt's die Szene ja nicht, da tritt Fred vor den Vorhang und erklärt, dass der Beginn des 2. Aktes der "Widerspenstigen" heute Abend gestrichen werden muss, weil Miss Vanessi nicht in der Lage ist, das Maultier zu reiten. Im Film gibt's die Szene hingegen und sie ist unnötig grob umgesetzt.

Die erste Szene in Freds Haus, die es ja nur im Film gibt, nicht aber im Originaltext, ist sehr gelungen, erstens, weil die Hauptfiguren und ihre Beziehungen zueinander da hervorragend eingeführt werden, zweitens, weil Ann Millers Version von "Too Darn Hot", die ja auch von vielen ihrer Fans als ihr absolutes Karriere-Highlight betrachtet werden dürfte, echt genial ist:



Drittens, weil die Duett-Version von "So In Love" auch echt was kann:



Und viertens, weil so ein zusätzlicher Szenenwechsel in einem Film eine gute Sache ist. Ich weiß von einer Inszenierung in Göteborg/Schweden (2005, glaub ich), wo sie diese erste Szene in Freds Haus übernommen haben; bei Theaterproduktionen find ich das aber nicht sinnvoll, da lässt einen die "Echtzeit" des Originaltextes näher am Geschehen mitleben.

Auf jeden Fall würde aber ich jedem Regisseur / jeder Regisseurin, der/die KmK inszeniert, dazu raten, den Dialog zwischen Lilli und Fred, bevor diese das Theater verlässt, vom Film zu klauen, der ist SO viel besser als der Dialog im Originaltext.
Zum Vergleich, der Text ausschnittsweise im Spewack'schen Original:

FRED. Aren't you taking Sleeping Beauty [gemeint ist Harrison Howell, Anm.] with you?
LILLI. Let him sleep.
FRED. Don't tell me the bloom is off - the rose?
LILLI (on the verge of tears): You are not Louella Parsons and I don't care to discuss my personal life with you.
FRED. Same old Lilli ... And I thought I detected a note - a new note of softness - a new humility - even a spark of affection - a glimmer of love ... (Close to her.)
LILLI (hesitates - then pulls away). You're not going to hypnotize me, Svengali.
FRED. Lilli, you can't walk out on me now.
LILLI. You walked out on me once.
FRED. But I came back.

... und da zögert sie dann und geht.

Hier die entsprechende Stelle im Film:

LILLI. Goodbye, Fred. Will you wish me luck?
FRED. It won't work, Lilli. You belong in the theater. We both do.
LILLI. The theater. That's all you care about. You don't need me. You've got an understudy.
FRED. No one could ever take your place, Lilli. On-stage or ... or off.
LILLI. You read those lines very well.
FRED. If I do, it's because I mean them. With all my heart.
LILLI. Now, what script did you steal that from?
FRED. It was a good script, Lilli. About two people who fell in love and were married. It should have had a longer run.
LILLI. Maybe it was bad casting.
FRED. No, Lilli. The leading lady was great. It was the leading man. He just wasn't big enough for the role.

Sie zögert und geht. Im Film wird also wieder der Vergleich Film/Theater - Leben metaphorisch aufgenommen, was ich gut finde, weil es die Grundthematik an einer wichtigen Stelle noch mal einbringt. Dazu kommt, dass die intertextuellen Anspielungen im Spewack-Text (Louella Parsons, Svengali) heute nicht mehr ziehen, wohingegen der Dialog im Film zeitlos passend ist. Außerdem ist Lilli im Originaltext an dieser Stelle schwach, im Film hingegen überlegen - er nimmt die Schuld auf sich, und das lässt das ganze Finale gleich viel weniger sexistisch dastehen, denn man hat den Eindruck, dass sie (auch) deswegen zurückkommt, weil er sozusagen vor ihr in die Knie gegangen ist.

Alles in allem kriegt man sicher einen ganz anderen Eindruck von "Kiss Me, Kate", wenn man den Film sieht, als wenn man das Stück live im Theater erlebt - aber für mich hat beides seinen Reiz.